DIE HORMON REVOLUTION

DIE HORMON REVOLUTION

Die Antibabypille feierte in diesem Jahr Jubiläum. Vor 60 Jahren wurde sie als großer Befreiungsschlag für Frauen bejubelt. Heute wollen sich immer mehr von ihr befreien. Doch wie kam es zu dieser Hormon-Revolution? Diese Frage stellte sich auch Julia Marandiuk, die sich – anfangs unfreiwillig – auf ihre eigene Pillenflucht begab

Heute verhütet noch die Hälfte aller Frauen mit der Pille. Sie gilt schließlich unter allen Verhütungsmitteln als das Sicherste. „Doch gerade bei der jüngeren Generation tut sich eine neue Welle der Pillenskepsis auf. Sie stehen dem Thema Gesundheit viel kritischer gegenüber“, sagt Prof. Dr. Kai Bühling, der die Hormonsprechstunde der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf leitet. Laut des privaten Forschungsinstituts IQVIA sinkt die Zahl der Pillenschluckerinnen seit 2016 jährlich um vier Prozent. Und ich bin eine davon. Zu Beginn half mir die Pille durch die unangenehme Zeit der Teenie-Akne und entwickelte sich später zur verlässlichen Verhütungsmethode. Genau die Hälfte meines Lebens, nämlich 13 Jahre lang, hat mich die Pille begleitet, bis mich Anfang des Jahres etwas Ungeplantes zum Nachdenken brachte.

„BEI DER JUNGEN GENERATION TUT SICH EINE NEUE WELLE DER PILLENSKEPSIS AUF. SIE STEHEN DEM THEMA GESUNDHEIT VIEL KRITISCHER GEGENÜBER“

PROF. DR. KAI BÜHLING

Als sich mein Urlaub auf einer kleinen Insel in der Karibik coronabedingt von geplanten sechs Wochen auf drei Monate ausdehnte, alle Flüge gestrichen wurden und sich mein Pillenblister immer schneller leerte, stand ich zugegebenermaßen etwas hilflos da. Ähnlich wie die Dame in der einzigen Dorfapotheke, der ich mein Problem schilderte. Schließlich gab es meine Pille nicht vorrätig und sie einfach zu wechseln wäre auch keine optimale Lösung gewesen. So war das nicht geplant.

Bisher war die Pille etwas Selbstververständliches

Zum allerersten Mal wurde mir klar, wie selbstverständlich der Umgang mit der Pille für mich war, wie lange ich sie schon einnehme und nie über eine Alternative nachgedacht habe. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich die anfängliche Unsicherheit zu einer bewussten Entscheidung entwickelte: Ich werde mit der Pille aufhören! Mit der Vorstellung von einer Pickel-Wüste im Gesicht und dramatischen Haarausfalls habe ich mich auf das Schlimmste eingestellt und wurde zum Glück eines Besseren belehrt. Nach der langen Zeit der Pilleneinnahme konnte ich endlich meinen Körper wieder spüren, mein Zyklus war von Tag eins an normal und es fühlte sich wirklich befreiend an – auch wenn es ehrlicherweise nicht immer schön war. „Mit dem Absetzen der Pille tritt der normale Zyklus wieder ein. Das kann zu Hormonschwankungen führen, die besonders in der zweiten Zyklushälfte Symptome wie Kopfschmerzen, Unwohlsein und Reizbarkeit auslösen“, erklärt Prof. Dr. Kai Bühling. 

NACH JAHRELANGER PILLENEINNAHME KONNTE ICH ENDLICH MEINEN KÖRPER WIEDER SPÜREN. ES FÜHLTE SICH WIRKLICH BEFREIEND AN

Aber selbst das hindert mich nicht zu sagen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war. Und einige aus meinem Bekanntenkreis würden das sofort unterschreiben. Der Experte erklärt, warum: „Was früher als Pillenmüdigkeit bei der Mittzwanzigerin aufgetreten ist, sieht man heute schon bei den Teenagern, die sich fragen, ob die Pille denn gesund ist.“ Der Blick auf den Beipackzettel ist selten erfreulich – und nicht besonders gesund. Schließlich stellen sich Beschwerden manchmal erst dann ein, wenn man erfährt, dass sie als typische Nebenwirkungen auftreten können. Kein Wunder also, dass die Nachfrage an hormonfreien Verhütungs-methoden immer stärker wird. „Es liegt an den Frauenärzten/Innen, über Alternativen aufzuklären“, sagt Prof. Dr. Kai Bühling. Auffällig ist auch, dass Zyklus-Apps gerade Hochsaison haben und besonders gern genutzt werden. Nicht aber als Verhütungsmethode, sondern viel mehr als Weg, um den eigenen Körper wieder besser kennenzulernen.

Zyklus APPS

1. Apple Health
Auf dem iPhone oder der Apple Watch kann die Periode mit der Cycle-Funktion überwacht werden.

2. Clue
Die zwei Kalenderansichten machen die Handhabung der App superleicht. Clue sagt Periode, PMS und Fruchtbarkeit voraus; Je öfter man sie benutzt, desto genauer ist das Ergebnis.

3.Flo
Flo, die beliebteste in dieser Kategorie, ermöglicht es Frauen, ihre Periode und ihren Eisprung zusammen mit 70 weiteren Symptomen zu erfassen.

4.Kindara
Kindara ist technisch gesehen ein Fertilitäts-Tracker, aber man kann die App auch nutzen, um die Periode zu verfolgen.

Fotos: Cottonbro / Pexels

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